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Bisphosphonate & Zahn ziehen: Was ist wichtig? (Basel)

  • Autorenbild: Thomas Gasser
    Thomas Gasser
  • vor 3 Tagen
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 3 Tagen

Bisphosphonate (z. B. Alendronat, Risedronat, Ibandronat, Zoledronat) werden häufig zur Behandlung von Osteoporose eingesetzt – in höherer Dosierung auch bei Krebserkrankungen (z. B. bei Knochenmetastasen). Für die Zahnmedizin ist das wichtig, weil nach Zahnextraktionen (Zähne ziehen) in seltenen Fällen eine medikamentenassoziierte Kiefernekrose (MRONJ) auftreten kann.



Kurzantwort: Darf man unter Bisphosphonaten einen Zahn ziehen?

Ja – häufig ist das möglich, aber es braucht eine risikoadaptierte Planung. Entscheidend sind:

  • Warum Sie das Medikament nehmen (Osteoporose vs. Onkologie)

  • Wie Sie es erhalten (Tabletten vs. Infusion)

  • Wie lange bereits behandelt wird

  • Ob im Mund Entzündungen vorliegen (Parodontitis, Abszess, Wunde)

Wichtig: Das MRONJ-Risiko ist bei Osteoporose-Therapie in der Regel sehr niedrig, während es bei hochdosierter onkologischer Therapie deutlich höher ist.



Was ist MRONJ – und warum spielt „Zahn ziehen“ eine Rolle?

MRONJ bedeutet vereinfacht: Der Kieferknochen heilt nach einem Eingriff verzögert oder nicht vollständig ab. Typisch sind:

  • schlecht heilende Wunde nach einer Extraktion

  • Schmerzen, Schwellung, Entzündung

  • in manchen Fällen freiliegender Knochen oder eine Fistel

Eine Zahnextraktion ist ein häufiger Auslöser – MRONJ kann aber auch ohne vorherige Zahn-OP entstehen, z. B. bei Parodontitis oder Druckstellen durch Prothesen.



Wer hat ein höheres Risiko?

Die wichtigsten Risikotreiber sind gut bekannt:


1) Osteoporose vs. Onkologie

  • Osteoporose (meist oral, niedrig dosiert): Risiko insgesamt niedrig – die Vorteile der Therapie überwiegen typischerweise klar.

  • Onkologie (häufig hoch dosiert, oft Infusion): deutlich höheres Risiko, besonders in Kombination mit weiteren Krebsmedikamenten.


2) Dauer & Begleitfaktoren

Zusätzliche Faktoren können das Risiko erhöhen:

  • Behandlung über längere Zeit

  • Entzündungen im Mund (Abszess, Parodontitis, Periimplantitis)

  • Rauchen

  • Druckstellen durch Prothesen

  • bestimmte Begleitmedikamente (je nach Grunderkrankung)



Muss der Zahn wirklich gezogen werden? (Alternativen prüfen)

Der wichtigste Hebel zur Risikoreduktion ist: Extraktion vermeiden, wenn sinnvoll möglich. Je nach Befund kommen Alternativen infrage:


Zahnerhalt statt Extraktion

  • Füllung/Krone, sofern der Zahn strukturell noch stabil ist

  • entzündungsreduzierende Vorbehandlung


Wurzelkanalbehandlung als Alternative

Wenn der Zahn wegen einer Entzündung an der Wurzelspitze Probleme macht, kann eine Wurzelkanalbehandlung (oder Revision) in vielen Fällen helfen – und vermeidet den Knochen-Eingriff einer Extraktion.

Wurzelkanalbehandlung Basel

-> Mehr Infomrationen finden Sie hier:


Bei Schwellung/Abszess zuerst Infektkontrolle

Bei akuter Schwellung ist häufig zuerst die Notfall-/Infektbehandlung entscheidend (Schmerz- und Entzündungskontrolle), bevor man endgültig über „ziehen“ entscheidet.


Notfallbehandlung Basel

-> Mehr Infomrationen finden Sie hier:



Wenn eine Extraktion nötig ist: So wird es planbar & möglichst sicher

Wenn der Zahn nicht mehr erhaltungsfähig ist, ist eine Extraktion manchmal die medizinisch sinnvollste Lösung – dann aber mit klarer Strategie.


1) Vorab-Abklärung: diese Infos sind entscheidend

Bitte bringen Sie (oder senden Sie vorab) folgende Angaben mit:

  • Medikamentenname (z. B. Alendronat, Zoledronat), Dosis, Startdatum

  • Einnahmeform: Tablette oder Infusion

  • Grund der Therapie: Osteoporose oder Onkologie

  • Begleitmedikamente (z. B. Kortison, onkologische Therapien)

  • ggf. Kontakt Hausarzt/Onkologe für Rücksprache


2) Diagnostik & Entzündungsmanagement

Je nach Situation erfolgt:

  • klinische Untersuchung, Röntgen (bei Bedarf erweiterte Bildgebung)

  • Stabilisierung von Entzündungen (z. B. Abszess/Parodontitis)


-> Mehr Infomrationen finden Sie hier:


3) Schonende Technik & Wundverschluss

Die Leitidee ist, Knochen und Weichgewebe maximal zu schonen (atraumatisch) und – je nach Risiko – die Wunde so zu versorgen, dass sie möglichst gut geschützt abheilt.


-> Mehr Infomrationen finden Sie hier:


4) „Drug Holiday“ (Medikamentenpause) & Antibiotika – nicht pauschal

Viele Patient:innen fragen: „Soll ich das Medikament vorher absetzen?“

Wichtig: Nie eigenständig absetzen. Der Nutzen einer Medikamentenpause ist in Leitlinien als kontrovers / nicht eindeutig beschrieben – das muss individuell entschieden und oft mit dem behandelnden Arzt abgestimmt werden.

Auch Antibiotika sind keine Standard-Pauschallösung, sondern werden je nach Risiko/Befund individuell abgewogen.



Nachsorge: Was fördert die Heilung?

In den ersten Tagen nach dem Eingriff helfen meist einfache Regeln:

  • Kühlen am OP-Tag (intervalweise)

  • Schonung (Sport/Belastung kurz reduzieren)

  • Nicht rauchen (Rauchen verschlechtert Wundheilung)

  • Mundhygiene nach Anweisung (vorsichtig, ohne die Wunde zu irritieren)

  • Kontrolltermine einhalten



Warnzeichen: Wann sollten Sie sich sofort melden?

Bitte zeitnah Kontakt aufnehmen bei:

  • zunehmenden Schmerzen nach 2–4 Tagen

  • zunehmender Schwellung, Fieber oder Eiter

  • anhaltender Nachblutung

  • freiliegendem Knochen

  • Taubheitsgefühl, das nicht abklingt


-> Mehr Infomrationen finden Sie hier:



FAQ: Häufige Fragen

Kann man unter Bisphosphonaten einen Zahn ziehen?

Ja, häufig ist das möglich. Entscheidend sind Indikation, Dosierung/Applikationsform, Therapiedauer und der Entzündungsstatus im Mund.


Wie hoch ist das MRONJ-Risiko bei Osteoporose-Medikamenten?

Bei Osteoporose ist das Risiko insgesamt niedrig, steigt aber bei zusätzlichen Risikofaktoren (z. B. lange Einnahme, Entzündung, Rauchen).


Warum ist eine Entzündung (Abszess/Parodontitis) ein Problem?

Entzündungen erhöhen das Risiko für Wundheilungsstörungen. Deshalb ist Infektkontrolle vor einer Extraktion besonders wichtig.


Gibt es Alternativen zur Zahnentfernung?

Oft ja – z. B. Zahnerhalt, Wurzelkanalbehandlung oder entzündungsreduzierende Vorbehandlung. Ob das möglich ist, hängt vom Befund ab.


Soll ich Bisphosphonate vor dem Eingriff pausieren („Drug Holiday“)?

Bitte niemals eigenständig absetzen. Ob eine Pause sinnvoll ist, muss individuell und in Abstimmung mit dem behandelnden Arzt/Onkologen entschieden werden.


Braucht man Antibiotika bei einer Extraktion unter Bisphosphonaten?

Das ist nicht pauschal. Je nach Risiko und Befund kann eine antibiotische Begleitung sinnvoll sein – das entscheiden wir individuell.


Welche Warnzeichen nach dem Zahnziehen sind ernst?

Zunehmende Schmerzen nach Tagen, starke Schwellung, Fieber, Eiter, freiliegender Knochen oder anhaltende Taubheit sollten zeitnah kontrolliert werden.


Wann ist ein Implantat nach einer Extraktion möglich?

Das Timing hängt von Entzündung, Knochenangebot und Heilungsverlauf ab. Wir besprechen das individuell nach Diagnostik und Nachkontrolle.


-> Mehr Infomrationen finden Sie hier:


Fazit

Bisphosphonate sind wichtige Medikamente – und eine Zahnentfernung ist trotz Therapie häufig möglich. Entscheidend ist eine saubere Risiko-Einschätzung, Entzündungskontrolle, ein schonendes Vorgehen und eine klare Nachsorge. Wenn Sie uns Ihre Medikamentendaten früh mitteilen, können wir die Behandlung in Basel planbar und sicher vorbereiten.


Externe Quellen:

 
 
 
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